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Strom

Strompreisentwicklung verstehen: 12 Antworten auf häufige Verbraucherfragen

Von Redaktion tarife.biz

Warum schwanken Strompreise, was hat die Börse damit zu tun, und wie reagiert man richtig auf eine Preiserhöhung? Dieser Ratgeber beantwortet die wichtigsten Verständnisfragen zur Strompreisentwicklung.

Warum steigen oder sinken Strompreise überhaupt?

Der Strompreis für Haushalte setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen, die sich unterschiedlich entwickeln und nicht alle gleichzeitig steigen oder fallen. Vereinfacht lässt sich der Strompreis in mehrere Bereiche aufteilen: Strombeschaffung und Vertrieb, Netzentgelte, Messung und Messstellenbetrieb, Steuern sowie Abgaben und Umlagen. Verändert sich nur einer dieser Bestandteile, verändert sich dadurch nicht automatisch die gesamte Stromrechnung im gleichen Umfang.

Ein erheblicher Teil des Preises ist staatlich festgelegt und damit für Verbraucher nicht beeinflussbar. Nur rund 41 % des Strompreises kann der Anbieter beeinflussen, bei den restlichen 59 % ist man auf staatliche Entscheidungen angewiesen. Dazu gehören unter anderem Netzentgelte, Stromsteuer, Umlagen und die Mehrwertsteuer.

Netzentgelte machen den größten nicht beeinflussbaren Anteil der Stromrechnung aus und variieren regional stark, in dünn besiedelten Gebieten mit viel Windkraft können sie bis zu doppelt so hoch sein wie in Ballungsräumen. Sie werden von der Bundesnetzagentur genehmigt und finanzieren Bau, Betrieb und Ausbau der Stromnetze. Steigt der Ausbaubedarf – etwa für den Transport von Windstrom aus dem Norden in den Süden – können auch die Netzentgelte steigen.

Weitere Preistreiber sind Umlagen wie die KWKG-Umlage oder die Offshore-Netzumlage, die je nach Jahr unterschiedlich stark angepasst werden, sowie die Stromsteuer, die seit Jahren konstant bei 2,05 ct/kWh liegt. Auf den gesamten Strompreis erhebt der Staat außerdem 19 % Mehrwertsteuer, die bei einem Durchschnittspreis von rund 37 ct/kWh einen erheblichen Einzelposten ausmacht. Wer die aktuelle Lage im Detail verfolgen möchte, findet weiterführende Einordnungen im Ratgeber-Bereich.

Was hat die Börse mit meinem Tarif zu tun?

Strom wird in Deutschland großteils über die Leipziger Strombörse European Energy Exchange (EEX) bzw. die zugehörige Handelsplattform EPEX Spot gehandelt. Die Preise an der Strombörse werden durch Angebot und Nachfrage bestimmt und spiegeln die aktuellen Marktkonditionen wider.

Wichtig zu wissen: Nur ein Teil des gehandelten Stroms läuft tatsächlich über die Börse. Auf die Strombörse entfällt nur rund ein Viertel des hiesigen Handels, rund 75 Prozent werden weiterhin außerbörslich über den sogenannten OTC-Handel realisiert. Dennoch orientieren sich viele Energieversorger bei ihrer Beschaffung an den Börsenpreisen.

Für Privatkunden wirken sich Schwankungen an der Börse nicht sofort und nicht eins zu eins aus. Steigen die Preise an der Leipziger Strombörse, schlägt sich das mit einigen Monaten Verzögerung in den Endkundentarifen nieder; fallen sie, dauert es erfahrungsgemäß noch etwas länger, bis Versorger ihre Tarife anpassen. Das liegt auch daran, dass viele Versorger Strom längerfristig am Terminmarkt einkaufen und sich so gegen kurzfristige Preisspitzen absichern.

Zudem setzt sich knapp die Hälfte des Strompreises für Privatleute aus Steuern, Abgaben und Netznutzungsentgelten zusammen, die von der Börsenentwicklung unabhängig sind. Ein Blick auf aktuelle Angebote im Stromvergleich zeigt, wie sich Marktentwicklungen aktuell in den Tarifen verschiedener Anbieter widerspiegeln.

Wie oft sollte ich meinen Stromvertrag prüfen?

Da sich sowohl die Beschaffungskosten als auch staatlich festgelegte Bestandteile des Strompreises jährlich ändern können, lohnt sich ein regelmäßiger Blick auf den eigenen Vertrag. Als grobe Orientierung gilt:

  • Einmal jährlich, insbesondere vor Ablauf einer Preisgarantie oder Mindestvertragslaufzeit.
  • Nach angekündigten Preisänderungen durch den eigenen Anbieter.
  • Bei Wohnortwechsel, da Netzentgelte und Grundversorgertarife regional unterschiedlich ausfallen.
  • Wenn man sich in der Grundversorgung befindet, da diese Tarife häufig teurer sind als Angebote im freien Wettbewerb. Laut Bundesnetzagentur bezogen zuletzt 24 Prozent der Haushalte ihren Strom über Grundversorgungsverträge.

Ein Vergleich lohnt sich vor allem beim beeinflussbaren Teil der Rechnung: Mit rund 15,4 ct/kWh ist die Strombeschaffung der größte Einzelposten auf der Stromrechnung und zugleich der einzige, bei dem ein Anbieterwechsel direkt wirkt. Wer die eigenen Konditionen mit aktuellen Angeboten abgleichen möchte, kann dies über den Stromvergleich tun. Auch andere Verträge wie Gas, Internet oder Versicherungen sollten regelmäßig geprüft werden, etwa über den Gasvergleich, den DSL-Vergleich oder den Bereich Versicherungen.

Was tun bei Preiserhöhungen durch den Anbieter?

Kündigt der Stromanbieter eine Preiserhöhung an, gelten bestimmte Verbraucherrechte. Grundsätzlich muss der Anbieter die Erhöhung rechtzeitig ankündigen und begründen. In den meisten Fällen steht Kundinnen und Kunden dabei ein Sonderkündigungsrecht zu, das unabhängig von der regulären Vertragslaufzeit oder Kündigungsfrist genutzt werden kann.

Sinnvolle Schritte bei einer Preiserhöhung:

  1. Ankündigungsschreiben genau prüfen: Wann tritt die Erhöhung in Kraft, welche Preisbestandteile sind betroffen, und wie lange gilt das Sonderkündigungsrecht?
  2. Vergleichen, ob die Erhöhung nachvollziehbar ist: Wurde beispielsweise nur der Beschaffungspreis angehoben, oder verweist der Anbieter auf gestiegene Netzentgelte oder Umlagen?
  3. Alternativen prüfen: Ein Vergleich aktueller Tarife im Stromvergleich zeigt, ob ein Wechsel wirtschaftlich sinnvoll ist.
  4. Fristgerecht kündigen, falls ein Wechsel gewünscht ist, um lückenlos versorgt zu bleiben – die neue Belieferung übernimmt in der Regel automatisch die Grundversorgung, falls kein neuer Vertrag rechtzeitig beginnt.

Wichtig: Nicht jede Preisänderung betrifft automatisch den gesamten Vertrag. Häufig sind es einzelne, staatlich vorgegebene Bestandteile wie Netzentgelte oder Umlagen, die sich ändern und vom Anbieter lediglich weitergegeben werden, ohne dass er selbst die Gebühren erhöht.

Weitere Verständnisfragen zur Strompreisentwicklung

Warum sind die Netzentgelte regional so unterschiedlich?

In dünn besiedelten Gebieten mit viel Windkraft wie Schleswig-Holstein oder Brandenburg sind die Netzentgelte bis zu doppelt so hoch wie in Ballungsräumen. Der Grund liegt im hohen Investitionsbedarf für den Ausbau der Netzinfrastruktur in diesen Regionen, während die Kosten bislang nicht bundesweit einheitlich verteilt werden.

Warum wirkt sich ein sinkender Börsenpreis nicht direkt auf meine Rechnung aus?

Da viele Versorger Strom langfristig über Terminkontrakte einkaufen und nur ein Teil des Preises überhaupt vom Börsenhandel abhängt, wirken sich Preisänderungen an der Börse verzögert und gedämpft aus. Zusätzlich bleiben staatlich festgelegte Preisbestandteile davon unberührt.

Beeinflusst mein Verbrauch die allgemeine Preisentwicklung?

Der individuelle Verbrauch beeinflusst vor allem die eigene Rechnungshöhe, nicht aber den allgemeinen Marktpreis. Dennoch lohnt sich ein bewusster Umgang mit Verbrauch, da dieser Anteil direkt in der eigenen Kontrolle liegt – unabhängig von Netzentgelten oder Umlagen.

Fazit

Die Strompreisentwicklung ergibt sich aus einem Zusammenspiel von Marktpreisen, staatlichen Abgaben und regionalen Netzkosten. Während einzelne Bestandteile wie Netzentgelte oder Umlagen sich der eigenen Kontrolle entziehen, lässt sich der Beschaffungs- und Vertriebsanteil durch einen Anbietervergleich beeinflussen. Ein regelmäßiger Check des eigenen Vertrags über den Stromvergleich hilft, unnötig hohe Kosten zu vermeiden und schnell auf Preiserhöhungen zu reagieren.

Häufige Fragen

Warum steigen Strompreise, obwohl die Börsenpreise fallen?
Weil der Strompreis aus mehreren Bestandteilen besteht. Neben dem Börsenpreis fließen Netzentgelte, Steuern und Umlagen ein, die sich unabhängig vom Marktpreis entwickeln und teils steigen können, während die Beschaffungskosten sinken.
Wie oft sollte ich meinen Stromtarif vergleichen?
Mindestens einmal jährlich, insbesondere vor Ablauf von Preisgarantien oder nach Ankündigung einer Preiserhöhung. Ein Vergleich lohnt sich über den Stromvergleich.
Habe ich bei einer Preiserhöhung ein Sonderkündigungsrecht?
In der Regel ja. Bei einer angekündigten Preiserhöhung steht Verbrauchern meist ein Sonderkündigungsrecht zu, das unabhängig von der regulären Kündigungsfrist genutzt werden kann.
Warum sind Netzentgelte je nach Wohnort unterschiedlich hoch?
Die Höhe hängt vom regionalen Netzausbaubedarf ab. In Regionen mit viel Windkraftausbau, etwa in Schleswig-Holstein oder Brandenburg, sind die Netzentgelte oft deutlich höher als in dicht besiedelten Ballungsräumen.
Wirkt sich mein Verbrauch auf die allgemeine Strompreisentwicklung aus?
Nein, der eigene Verbrauch beeinflusst nur die individuelle Rechnungshöhe, nicht den allgemeinen Marktpreis. Dennoch bleibt der Verbrauch der einzige Preisbestandteil, den man selbst direkt steuern kann.

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