DSL & Internet
WLAN-Router-Miete: Warum Du diesen Posten in Deiner Rechnung genauer prüfen solltest

Routermiete, Kleingedrucktes, Kündigungsschreiben: Ein gemieteter Router kostet Dich über die Jahre oft mehr als ein gekaufter – und Du darfst rechtlich sowieso Deinen eigenen anschließen.
Du blätterst durch Deine Internetrechnung und stolperst über eine Position, die Du nie bewusst bestellt hast: "Hardware-Miete" oder "Router-Option", meist irgendwo zwischen drei und fünf Euro im Monat. Klingt erstmal harmlos. Ist es aber nicht, denn dieser Betrag läuft munter weiter – Monat für Monat, Jahr für Jahr, oft auch dann noch, wenn der Router längst technisch veraltet ist.
Die kurze Antwort vorweg: Du musst diesen Router gar nicht mieten. In Deutschland herrscht seit Jahren freie Endgerätewahl, Du darfst also grundsätzlich jeden kompatiblen Router selbst kaufen und anschließen. Wie viel Dich die Miete über die Jahre wirklich kostet, wann sich ein Kauf lohnt und wie Du die Miete sauber kündigst, klären wir jetzt der Reihe nach.
Das Recht auf freie Routerwahl gilt in Deutschland schon länger
Viele denken, der Router gehört zum Anschluss wie die Buchse zur Wand. Stimmt nicht. Seit dem 1. August 2016 sind Internetanbieter gesetzlich verpflichtet, den Anschluss am sogenannten Netzabschlusspunkt bereitzustellen – und nicht mehr das Endgerät vorzugeben. Der Netzabschlusspunkt ist im Grunde die Anschlussdose in Deiner Wohnung, alles was danach kommt, ist Deine Sache.
Laut TKG endet das Netz der Anbieter am passiven Netzabschlusspunkt, also der Anschlussdose – WLAN-Router und Modems liegen damit außerhalb des Einflussbereichs der Anbieter, die nicht mehr über gewählte Geräte bestimmen dürfen. Praktisch heißt das: Wer einen neuen Vertrag abschließt, darf einen eigenen WLAN-Router verwenden, das schreibt das Telekommunikationsgesetz vor – ein Routerzwang seitens der Anbieter ist nicht zulässig.
Und auch wenn Du schon länger bei Deinem Anbieter bist, bist Du nicht außen vor. Das Recht auf freie Routerwahl steht nicht nur Neukunden, sondern auch Bestandskunden zu. Ein Gericht hatte das ausdrücklich klargestellt, nachdem einzelne Anbieter versucht hatten, die Zugangsdaten nur bei Neuverträgen herauszugeben. So einfach kommen die also nicht davon.
Auf EU-Ebene und bei der Bundesnetzagentur wird die genaue technische Ausgestaltung der Schnittstelle zwar immer wieder neu diskutiert, insbesondere bei Glasfaser gibt es noch Detailfragen. Am 22. Januar veröffentlichte die Bundesnetzagentur im Amtsblatt 02/2025 die endgültige Entscheidung zu der Frage, ob Endverbraucher den eigenen Router mit dem Netzwerk des Internetanbieters verbinden dürfen – und das Ergebnis war ein klares Ja zur Routerfreiheit. Am Grundprinzip ändert sich also nichts, nur die Feinjustierung wird laufend nachgeschärft.
Wie viel Routermiete Dich übers Jahr wirklich kostet
Drei, vier, fünf Euro im Monat – klingt nach Portokasse. Ist es aber nicht, wenn Du die Zeit mal hochrechnest, in der viele Verträge ohnehin laufen. Ein Beispiel, das sich an realen Größenordnungen orientiert, wie sie einzelne Anbieter für ihre Hardware-Optionen aufrufen: Eine monatliche Zusatzgebühr von 2,99 Euro beziehungsweise 4,99 Euro, je nach gewähltem Router-Modell, ist am Markt keine Seltenheit.
Nimm als Muster-Rechnung 4 Euro Routermiete im Monat. Über 24 Monate Mindestvertragslaufzeit – der Zeitraum, für den Du Dich vertraglich bindest – kommen 96 Euro zusammen. Bleibst Du danach beim Anbieter, weil Dir das Wechseln zu lästig ist, läuft die Gebühr munter weiter. Nach vier Jahren stehen 192 Euro auf der Uhr, nach sechs Jahren 288 Euro. Für ein Gerät, das neu vielleicht 80 bis 150 Euro kostet.
Besonders bitter wird es bei einem Detail, das gerne übersehen wird: Bei manchen Anbietern geht die bereitgestellte Hardware nach 24 Monaten automatisch in den Besitz des Kunden über, die monatliche Mietgebühr wird aber weiterhin berechnet. Du zahlst dann Miete für ein Gerät, das längst Dir gehört. Das ist kein Kavaliersdelikt, das ist schlicht Kundenfang mit Ansage.
Eigenen Router kaufen: Wann sich das rechnet
Die Rechnung von oben zeigt es schon: Je länger Du einen Anschluss nutzt, desto eher lohnt sich der eigene Kauf. Als grober Richtwert gilt am Markt häufig, dass eine Mietzeit von zwei Jahren oft günstiger ist als der einmalige Kauf, sich ein eigener Router aber nach längerer Zeit – etwa drei bis vier Jahre – lohnen kann. Bei Deinem eigenen Vertrag zählt aber am Ende nur eine Zahl: die tatsächliche Miethöhe multipliziert mit der Zeit, die Du realistisch beim Anbieter bleibst.
Rechne bei Deinem eigenen Fall so: Monatliche Miete mal geplante Nutzungsdauer in Monaten, verglichen mit dem Kaufpreis eines gleichwertigen Geräts. Liegt die Summe der Miete über dem Kaufpreis, hast Du Geld verschenkt – und das ist bei DSL- und Glasfaseranschlüssen, die oft jahrelang unverändert laufen, keine Seltenheit. Wechselst Du dagegen ohnehin alle zwölf bis achtzehn Monate den Anbieter, weil Du die Bonus-Jagd sportlich betreibst, relativiert sich der Vorteil des Eigenkaufs etwas.
Ein Router ist zudem keine Eintagsfliege. Ein Gerät, das Du kaufst, gehört Dir und lässt sich beim nächsten Anbieterwechsel meist einfach mitnehmen – vorausgesetzt, es ist mit dem neuen Anschluss kompatibel, dazu gleich mehr. Die Investition zahlt sich also im besten Fall über mehrere Vertragslaufzeiten hinweg aus, nicht nur über eine.
Kompatibilität prüfen: Was Du vor dem Kauf wissen musst
Freie Wahl heißt nicht freie Fahrt für jedes x-beliebige Gerät. Bevor Du einen Router kaufst, musst Du checken, ob er zu Deinem Anschluss passt – das ist nicht ganz ohne, denn hier unterscheiden sich DSL, Kabel und Glasfaser deutlich.
Bei klassischen DSL-Anschlüssen ist die Auswahl am größten, hier gibt es seit Jahren einen breiten Markt an kompatiblen Geräten verschiedener Hersteller. Bei Kabelanschlüssen brauchst Du einen Router mit passendem Kabelmodem-Standard, das schränkt die Auswahl spürbar ein. Bei Glasfaser ist die Lage am unübersichtlichsten: Hier fehlen teils einheitliche Standards, sodass nicht jeder Glasfaser-Router mit jedem Netzbetreiber reibungslos zusammenspielt. Informier Dich vor dem Kauf konkret bei Deinem Anbieter oder in dessen technischem Support, welche Geräte für Deinen Anschlusstyp freigegeben sind.
Wichtig auch: Du brauchst die Zugangsdaten für Deinen Anschluss, also die Werte, mit denen sich ein Router überhaupt ins Netz einwählt. Dein Anbieter ist verpflichtet, Dir diese Daten herauszugeben, wenn Du einen eigenen Router nutzen möchtest – notfalls schriftlich anfordern und auf einer klaren Antwort bestehen.
Kündigung der Routermiete beim bestehenden Anbieter
Du musst nicht Deinen ganzen Internetvertrag kündigen, um die Router-Option loszuwerden – meistens lässt sie sich getrennt kündigen, während der eigentliche Anschlussvertrag bestehen bleibt. Prüfe dazu zunächst Deine Vertragsunterlagen: Oft ist die Hardware-Miete als eigene Zusatzoption mit eigener Kündigungsfrist ausgewiesen.
Für die Kündigung selbst gilt: Schriftform wählen, und zwar nachweisbar. Eine Formulierung, mit der Du fristgerecht kündigst und um eine schriftliche Bestätigung mit Beendigungszeitpunkt bittest, reicht in der Regel aus. Bewahre den Versandnachweis auf, ganz gleich ob per Einschreiben oder E-Mail mit Lesebestätigung – falls der Anbieter die Kündigung "nicht erhalten" haben will, bist Du sonst in der Beweisnot.
Nach der Kündigung mietest Du kein Gerät mehr, musst das alte aber je nach Vertrag zurückschicken. Schließt Du anschließend Deinen eigenen Router an, brauchst Du wie oben beschrieben die Zugangsdaten vom Anbieter – die stehen Dir zu, verlang sie notfalls ausdrücklich ein.
Wann sich das Kündigen der Routermiete nicht lohnt
Ganz so pauschal, wie es der Rest des Artikels vielleicht klingen lässt, ist die Sache doch nicht. Wenn Du ohnehin pljust, in den nächsten Monaten den Anbieter zu wechseln, lohnt sich der Kauf eines neuen Routers oft nicht – der neue Anbieter hat womöglich andere technische Anforderungen, und Du stehst mit einem Gerät da, das nirgendwo mehr richtig passt.
Auch wenn Dir Technik grundsätzlich suspekt ist und Du im Zweifel lieber den Support des Anbieters anrufst, statt selbst Einstellungen vorzunehmen, ist die Miete nicht per se unvernünftig. Der Anbieter kümmert sich dann um Firmware-Updates, Support und im Zweifel den Austausch bei Defekt – das hat schon einen gewissen Komfort-Wert, den man nicht kleinreden sollte. Und bei sehr kurzen Vertragslaufzeiten, etwa wenn Du nur für ein Jahr in eine WG oder ein Zwischenmietverhältnis ziehst, rechnet sich ein Kauf schlicht selten.
Fazit: Rechne nach, bevor Du weiter mietest
Die Routermiete ist selten der große Kostentreiber Deiner Internetrechnung, aber ein Posten, der sich über Jahre unbemerkt summiert – und das, obwohl Du rechtlich gar nicht dazu verpflichtet bist, überhaupt zu mieten. Wer seinen Anschluss länger als zwei, drei Jahre nutzt und technisch einigermaßen selbstständig ist, fährt mit einem eigenen, gekauften Router in aller Regel günstiger. Prüfe vor dem Kauf die Kompatibilität mit Deinem Anschlusstyp, hol Dir die Zugangsdaten vom Anbieter und kündige die Mietoption schriftlich und nachweisbar. Wer dagegen bald wechseln will oder auf den Rundum-Service setzt, kann die Miete auch getrost weiterlaufen lassen – nur eben mit offenen Augen, was sie am Ende kostet.
Wenn Du sowieso gerade über einen Wechsel nachdenkst, lohnt sich ein Blick in den DSL-Vergleich, um Tarif und Hardware-Kosten gemeinsam zu prüfen.
Stand: September 2026. Rechtslage und Anbieterkonditionen können sich ändern, prüfe im Zweifel die aktuellen Angaben Deines Vertrags.